Kapitalmarktausblick - Ausgabe 03-2025

Money makes the world go round ! Rezession und Allzeithoch an der Börse. Lesen Sie hierzu unseren Kapitalmarktausblick für das 3. Quartal 2025.

Kapitalmarktausblick für das dritte Quartal 2025

Die ersten 100 Tage Donald Trump liegen hinter uns und erste Erkenntnisse lassen sich ableiten. Der neue Politikstil der US-Administration unter Donald Trump folgt der Logik des Rechts des Stärkeren. Diese Ambitionen werden meist in den ersten Ankündigungen von Donald Trump unverhohlen sichtbar. Nachgelagert werden diese Drohungen diplomatisch eingefangen und etwas "nachgeschliffen", ohne die eigentliche Zielsetzung des US-Präsidenten deutlich zu verändern. In diesem Spiel treten bereits erste Gewöhnungseffekte ein und auf der Seite der Schwächeren steigt die Bereitschaft, sich auf mögliche "kleine" Zugeständnisse einzulassen, um die Trump-typische maximale Drohkulisse zu verhindern. Die Politik neigt dazu, derartige Verhandlungsergebnisse als Erfolg darzustellen, nach dem Motto "Schlimmeres wurde abgewendet", faktisch sind es fortlaufende Niederlagen.
Besonders unwürdig gestaltete sich der NATO-Gipfel in Den Haag am 24. und 25. Juni 2025. Statt einem Treffen auf Augenhöhe wurde Donald Trump hofiert und die gesamte Veranstaltung auf ihn zugeschnitten. Die Veranstaltung war ein Armutszeugnis für den Rest der NATO-Mitglieder. Es läuft ein Contest, wer dem US-Präsidenten am unterwürfigsten und willfährigsten begegnet und damit vermeintlich den "besten Draht" zu ihm hat. Gleichzeitig erfüllt sich dieser Tage unsere Prophezeiung, daß die Europäer zukünftig für die Verteidigungsleistungen der Amerikaner bezahlen müssen.

Mit Argusaugen wird beobachtet, ob der neue deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz mit Donald Trump "kann", ohne daß sich bisher irgendetwas Zählbares für Deutschland daraus entwickelt hätte.  Noch Anfang Julu 2025 verkündete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vollmundig, man sei in Zollthemen mit den USA "auf einem guten Weg", um dann einige Tage später mit einer Zollandrohung von 30 % auf alles, außer Stahl (50 % Zoll) und Autos (25 % Zoll) konfrontiert zu werden. Gleichzeitig kann man die Politiker beim Ringen mit ihrer Glaubwürdigkeit beobachten, denn faktisch wird dabei sichtbar, daß das Heft des Handelns stets bei Donald Trump liegt und  hierzulande nur reagiert wird und die Kunst darin liegt, politische Niederlagen in vermeintliche Teilerfolge umzumünzen.

Kaum scheint eine Baustelle befriedet zu sein, macht Donald Trump das nächste Faß auf. Dies wird mindestens die nächsten vier Jahre so weiter laufen und die erhoffte Planungssicherheit für Unternehmen unterlaufen. Mehr Investitionen in die militärische Verteidigungsfähigkeit und Anreize für die Standortverlagerung in die USA dürften sich als kostante Positionen erweisen. Europa wird im großen Stil bei den Amerikanern Rüstungsgüter einkaufen, um die Verteidigung Europas und der Ukraine zu gewährleisten. Der wirtschaftliche Einfluss von Rüstungsinvestitionen ist allerdings überschaubar. Pro in Rüstung investiertem Euro entstehen nur 50 Eurocent zusätzlicher wirtschaftlicher Aktivität.

Zollschranken werden genutzt, um die Rückkehr von Produktion in die USA zu ermöglichen und die US-Wirtschaft zu unterstützen. Zwar wird gerne auf internationale Lieferketten und gegenseitige Abhängigkeiten verwiesen. Die Zolldiskussionen legen die gegenseitigen Abhängigkeiten schonungslos offen und eröffnen die Möglichkeit, sich mit Handlungsschritten hin zu mehr Autarkie zu beschäftigen. Zudem entsteht die Chance, daß die heimische Wirtschaft durch die Erhebung von Schutzzöllen vor ausländischer Konkurrenz geschützt wird. "Buy american products." Zwar wird mantraartig proklamiert, daß ein Handelskrieg mit Zöllen keine Gewinner kennt. Dabei werden die weiteren Machtoptionen des Stärkeren unterschätzt. Bereits jetzt zeichnet sich ab, daß bei jedem Deal die USA das für sich bessere Ergebnis erzielen.

Es bleibt dabei. Statt Anbiedern und Hofieren sind handfeste Strategien gefordert, der amerikansichen Übermacht entgegenzutreten.  Europa stolpert über die eigene Untätigkeit des letzten Jahrzehnts. "Europa muß jetzt wehrhaft werden" sprach die damalige deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Ende 2016, um dies Ende 2024 als EU-Kommisionspräsidentin nahezu wortgleich zu wiederholen. In der Zwischenzeit war diesbezüglich nichts passiert.

Stagflation - wirtschaftliche Stagnation bei inflationären Tendenzen

Aus der geschilderten politischen Situation ergibt sich für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands wenig Hoffnung. Einerseits stehen Schlüsselbranchen wie der Automobilsektor unter massivem internationalen Wettbewerb - vor allem aus China. Fortlaufende Zolldrohungen erhöhen die Unsicherheit und machen langfristige strategische unternehmerische Entscheidungen schwierig. Aufgrund forlaufender internationaler Konflikte und Spannungen sind zudem Lieferketten gefährdet, deren Abbruch erhebliche wirtschaftliche Probleme nach sich zöge.
Aufgrund der Misere in den Sozialsystemen explodieren die Lohnnebenkosten und treiben die Personalkosten nach oben. Der Fachkräftemangel tut ein Übriges. Der aktuelle Wohlstand der Gesellschaft führt zu Optimierungsüberlegungen und sinkende Produktivität und Leistungsbereitschaft. Bürokratische Hürden und immer langsamere Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse hemmen die Entwicklung zusätzlich und verhindern "Quick Wins" und ein Entstehen von Aufbruchstimmung. Der Exportnation Deutschland droht das dritte Rezessionsjahr.

Mit dem Aufweichen des Digital Markets Act verliert die EU den Anschluss bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Das Feld wird den etablierten amerikanischen Tech-Konzernen überlassen, deren schiere finanzielle und marktbezogene Macht bereits heute den Markt dominiert und das Aufkommen europäischer Konkurrenz im Keim erstickt.  Die fortwährende Uneinigkeit der Europäer bei strategischen Schlüsselthemen verhindert die erfolgreiche Bündelung der Kräfte Europas. In dieser Weise erreicht Europa nicht die notwendige Schlagkraft und Umsetzungsgeschwindigkeit, die als Reaktion auf die derzeit laufenden globalen Machtverschiebungen erforderlich wäre, um Europa zukunftsfähig zu machen.

"Money makes the world go round"

Fundamentaldaten zu Unternehmen und der Volkswirtschaft sind seit jeher relevante Parameter für Investmententscheidung - sollte man meinen. Seit geraumer Zeit koppelt sich der Kapitalmarkt allerdings von der Entwicklung harter ökonomischer Eckdaten ab und führt ein überraschendes Eigenleben. Seit einigen Jahren führen krisenhafte Entwicklungen (Pandemie, Ukraine-Konflikt, Inflationsschock, Zoll-Hammer) nur noch zu vorübergehenden Kursstürzen und Wertverlusten, die in immer kürzerer Zeit wieder aufgeholt werden. Darüberhinaus scheint jede Nachricht eine gute Nachricht zu sein. Ist die Lage schlecht, dann kann sie zukünftig ja nur besser werden (?!) und ist die Lage gut, dann ist ohnehin alles gut. Steigen die Zinsen, dann können Sie demnächst wieder sinken. Fallen die Zinsen, dann kaufen, was das Zeug hält. Läuft das Unternehmen schlecht, wird es bald sicher besser und ansonsten ist alles bestens.

Vielmehr scheinen die Kapitalmärkte jenseits ökonomischer Betrachtungen immer häufiger liquiditätsgetrieben zu sein. Diese Entwicklung nahm in den Reagonomics Anfang der 1980er Jahre ihren Lauf. Damals begannen die USA unter Präsident Ronald Reagan die Staatsverschuldung deutlich auszuweiten. Blickt man auf die Entwicklung der Kapitalmärkte seither, wird erkennbar, daß mit dem sukzessiven Aufblähen der Staatsverschuldung auch die Kursanstiege an den Kapitalmärkten deutlich zunahmen. Die Wertpapierkurse begannen in größeren Dimensionen zu steigen. Definitiv ist die Höhe der verfügbaren Geldmenge (Liquidität) ein Faktor für die Kursentwicklung an Kapitalmärkten. Je größer die schuldenbedingt aufgeblähte Geldmenge ist, desto größer das verfügbare Anlagekapital für die Kapitalmärkte.

Der Schuldenstand der USA liegt per 31.12.2024 bei 35,25 Billionen US-Dollar. Die globale Verschuldung steigt fortlaufend auf neue Rekordhöchststände. Die globalen Kapitalmärkte - vor allem die Aktienmärkte - erzielen fortlaufend neue Rekordstände. Je höher die globale Verschuldung, desto höher die zur Verfügung stehende Liquidität, die an die Kapitalmärkte strebt. Nur eine nachhaltige Schuldenrückführung würde den Kapitalmärkten Geld entziehen. Eine ausufernde Verschuldung hingegen führt zu einer immer größeren Geldmenge, die sowohl an Kapitalmärkten als auch in der Realwirtschaft die Preise treibt.

Aufgrund der zwischenzeitlich erreichten Schuldendimension ist die verfügbare Geldmenge zum maßgeblichen Kurstreiber geworden. Fundamentale und ökonomische Faktoren haben an Einfluss verloren, da die vorhandene Liquidität viel wirkmächtiger geworden ist. Paradoxerweise bedeutet eine schlechte wirtschaftliche Entwicklung, daß Unternehmen und Privatpersonen ihre Investitionen zurückstellen und sparen. Dies führt dazu, daß die Anlageliquidität für die Kapitalmärkte zunimmt, d.h. die Kapitalmärkte steigen, weil die Wirtschaft schlecht läuft und das Kapital statt in realwirtschaftliche Investitionen lieber auf Knopfdruck in die Kapitalmärkte investiert wird. Das erklärt auch die schnelle Wertaufholung bei überraschend eintretenden Krisen. Das in der Krise liquidierte Vermögen wird mangels Alternative zeitnah wieder am Kapitalmarkt reinvestiert.

Vor diesem Hintergrund muß man an den Kapitalmärkten zukünftig vor folgenden Sachverhalten Angst haben. Staaten, Unternehmen und Privatpersonen zahlen im großen Stil ihre Schulden zurück. Die Wirtschaft springt an und Staaten, Unternehmen und Privatpersonen ziehen ihr Kapital ab und investieren in der Realwirtschaft. Die Notenbanken erhöhen die Zinsen massiv und schaffen Anlageperspektiven im festverzinsten Bereich, um den Märkten langfristig Kapital zu entziehen. Nichts davon ist in Sicht !

Fazit :

"It's the liquidity, stupid."

Für langfristig investierbares Kapital führt an den globalen Aktienmärkten offensichtlich kein Weg vorbei. Das Recht des Stärkeren gilt am Kapitalmarkt ohnehin seit jeher. Insofern macht es Sinn, das Kräfteverhältnis im globale Machtgefüge im Auge zu behalten und bei seinen Investments zu berücksichtigen. Kurze massive Kursrücksetzer aufgrund krisenhafter Entwicklungen und exogener Schocks sind gute Einstiegspunkte für langfristige Investoren. Die hohe Liquidität treibt die Preise am Kapitalmarkt und in der Realwirtschaft, d.h. die inflationsfreien Zeiten sind vorbei. Für den Kleinsparer wird die Inflation zum großen Problem, da er traditionell nicht im Aktienmarkt investiert ist. Preisanstiege in der Realwirtschaft reduzieren die Kaufkraft seiner Rücklagen. Der Aktienmarkt bleibt dauerhaft die einzige Chance, den inflationsbedingten Kaufkraftverlust auszugleichen. Market Timing wird immer schwieriger.  Crash-Szenarien sind Einstiegsgelegenheiten.  Investieren Sie ausschließlich Kapital, welches Sie langfristig nicht benötigen.

 

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Kapitalmarktausblick – Ausgabe 03-2025